Historisches unserer Räume der Ratszeise zu Jena.

im beywesen des sitzenden raths, in der Zceise
Die Bezeichnung „Zceise“ taucht bereits 1455 und 1525 in den Urkunden der Stadt Jena auf. Sie leitet sich wahrscheinlich von einer Steuer her, der Akzise, die der Stadtrat im Rathaus erhob. Diese im Mittelalter gebräuchliche Bezeichnung heißt Ungeld, tatsächlich wird bereits im Jahre 1409 das Amt des Ungelders zu Jena urkundlich erwähnt.

Aufgrund dieser zeitlich frühen Erwähnung ist davon auszugehen, dass die Zeise auf die Erbauungszeit des Rathauses zu Jena zurückgeht und dort die finanziellen Geschäfte mit Sitz im Ratshaus geregelt wurden. Der Stadtrat tritt dabei als Träger des Markt-, Münz- und Zollrechtes sowie als Verwalter der Stadt auf.

Die Räume der heutigen Ratszeise werden jedoch schon vorher rechtskundig erwähnt. Dem typischen Gebäudetyp eines mittelalterlichen Rathauses folgend, befanden sich im Erdgeschoss des Gebäudes offene Lauben für den Marktbetrieb. Hier standen in den beiden Südgängen die Fleisch- und Brotbänke, die der Stadtrat an die Fleischhauer und Bäcker der Stadt verpachtete. Die Fleischbänke werden zum ersten Mal 1377 urkundlich in einem Rechtshandel erwähnt, der Jahreszins für vier Bänke beträgt damals vierzig Groschen. Diese sind noch bis 1857 im südlichen Durchgang nachweisbar.

Mit dem um die Jahrhundertwende erfolgten Umbau des gesamten Erdgeschosses in die Wirtschafts- und Gasträume der Ratszeise verschwand auch der südliche Durchgang, der dann erst 1948 wieder hergestellt wurde.

Jedoch lassen sich im Untergeschoss schon im 15. und 16. Jahrhundert Küchenräume nachweisen. Diese benötigte man vermutlich, wie auch in anderen Rathäusern, als Vorbereitungsräume für die großen Festessen, die in der Rathausdiele abgehalten wurden. Auch lassen die ursprünglichen Ornamente mit Ranken und Weintrauben – ein typisches Attribut auf Wirtshausschildern – auf eine frühzeitige Nutzung der Räume als Gasthaus schließen.

Mit dem Mitte der 1990er Jahre erfolgten Umbau zu einem englischen Pub, verschwand das ursprüngliche Bild der Ratszeise und wurde mit originalen Bauten aus englischen Kirchen umgestaltet.

Jedoch wurde mit dem Jahr 2007 das Wirtshaus in seinen ehemaligen Zustand zurück versetzt, wobei Teile des vorangegangenen Zierwerkes an verschiedenen Stellen, z.B. im Tresenbereich verwendet wurden. Weitere historische Reproduktionen finden sich in den Malereien in den Gewölben, die Photos aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nachempfunden wurden.